Arbeitsgemeinschaft im BDPh "Alliierter Kontrollrat 1946/48 e.V."
   Arbeitsgemeinschaft im BDPh"Alliierter Kontrollrat 1946/48 e.V."

 

Februar- und Frühverwendungen der Ziffernserie


Norbert Barth, Wegberg und Rolf Herbrandt, Schwalmtal

 

Die Erforschung und Archivierung der frühen Verwendungsdaten der 27 Ziffernwertstufen in allen 1946 bestehenden OPDen und der sechs verausgabten Ganzsachen der Gemeinschaftsausgabe sind das erklärte Ziel der 1998 gegründeten Forschungsgruppe.

 

Die Ziffernserie, amtlich Übergangs- oder Interimsserie, in der Presse und von der Bevölkerung schnell „Einheitsserie“ genannt, wurde Ende 1945 in der Staatsdruckerei Berlin gedruckt. Ihr Gültigkeitsbereich umfasste die sowjetische, amerikanische und britische Besatzungszone wie die Vier-Sektorenstadt Berlin. In der französischen Zone waren die Ziffernwerte nicht gültig.

 

Einen einheitlichen Erstausgabetag für die Marken gab es nicht.

 

Dies hatte unter anderem die folgenden Gründe:

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurden in jeder OPD zuerst die eigenen Ausgaben aufgebraucht. In der amerikanischen Zone (AZ) fanden die AM-Post-Marken noch Verwendung. In der britischen Zone (BZ) durften laut amtlicher Verfügung die Marken erst verwendet werden, wenn alle noch reichlich vorhandenen AM-Post-Marken aufgebraucht waren.

 

Der Bedarf nach den neu angekündigten Einheitsmarken stieg Anfang 1946 stark an, so dass die ersten Werte von 2 OPDen angefordert wurden. Der früheste Verwendungstag der beiden ersten ausgegebenen Werte war der 2. Februar 1946 in der OPD Schwerin, PLG 3, zu 6 Rpf und in der OPD Frankfurt/Main, PLG 16, hier auch der 12 Rpf Wert.

 

 

 


 

Die meisten frühen Werte sind in Berlin am 9. bis 11. Februar 1946 nur beim Postamt NW 7 und nur an diesen Tagen verausgabt worden. Die Marken wurden fast ausschließlich mit dem Sonderstempel der Delegiertenberatung mit den Tagesdaten 9., 10. Oder 11.2.46 abgestempelt. Dieser Stempel wurde bis mindestens Ende Mai 1946 mit feststehendem Datum benutzt, so dass nur Einschreibbelege mit einem zeitlich passenden Ankunftsstempel zur Erforschung der Frühdaten Berlin beitragen können.

 

Die 9 späteren Werte sind alle zuerst in Berlin ab etwa Mitte April, der Wert zu 1 RM etwa 10. Mai 1946, verausgabt worden. Bekannt sind Gedenkkarten zum 1. Mai 1946 aus Berlin.

 


 

In der britischen Zone (BZ) sind in Braunschweig für einige Tage ab dem 1. April 1946 Ziffernwerte verkauft worden. Alle Ziffernwerte waren in der BZ ab Erscheinen gültig. Bei Verwendungen vor dem 1. April 1946 sind die Marken nicht an Postämtern der BZ gekauft worden. Frühe Verwendungstage aus dem Bedarf in der BZ sind vielfach erst ab Mai anzutreffen.

 


 

Kurzer Abriss der zeitlichen Zusammenhänge

 

Als Ergebnis des Zusammenbruchs von Nazi-Deutschland wurde das Gebiet Deutschlands westlich der Oder-Neiße-Linie in vier Zonen, das Gebiet von Groß-Berlin in vier Sektoren eingeteilt. Die vier Siegermächte richteten am 5.6.1945 ein oberstes gesetzgebendes Organ für alle Besatzungszonen ein, den Alliierten Kontrollrat (AKR).

 

Im Kontrollrat sollten alle Beschlüsse über „grundsätzlichen Fragen“, die alle Besatzungszonen ´einheitlich´ betrafen, einstimmig abgefasst werden. Dieses Ziel war mit den Franzosen nicht zu erreichen und sie verließen den AKR bereits Oktober 1945 offiziell, denn ihre Intentionen lagen in einer Aufteilung Deutschlands in Teilstaaten. Das Exekutivorgan der AKR „Interalliiertes Büro für internationale Abrechnung im Post- und Fernmeldewesen“ war für das Postwesen in allen Zonen zuständig. Bisher war jede Besatzungsmacht in ihrer Zone eigene Wege gegangen.

 

In den Westzonen waren die AM-Post-Marken eingeführt worden, in der SBZ hatte jede frühere Reichspostdirektion, jetzt Oberpostdirektion, eigene Marken herausgegeben. Auch die Franzosen gaben Ende 1945 eigene Marken für Ihre Zone heraus. Die unbestimmte Lage nutzten eine Vielzahl von Städten und Gemeinden zur Herausgabe eigener Marken, den sogenannten ´Lokalausgaben´ aus.

 


 

Das Postwesen entwickelte sich in jeder Zone von kleinen zu größeren Bereichen, Bezirken, Gebieten, je nach der Wiederzulassung der verschiedenen Dienste durch die zuständige Besatzungsmacht. Auch der Interzonenpostverkehr wurde Schritt für Schritt wieder aufgenommen. Damit war die Zeit gekommen für eine gemeinsame Markenausgabe. An welchem Tag der genaue Beschluss dazu gefasst wurde, ist unbekannt. Die neuen Marken sollten in allen Zonen und in Berlin gültig sein. So wurde für die neue gemeinsame Markenausgabe ein Wettbewerb ausgeschrieben, der bis Ende Januar 1946 terminiert war.

Das Erscheinungsdatum für die neue Dauerserie  - die Arbeiterserie- sollte der 1. März 1947 sein. Die zeitliche Lücke bis zur Herausgabe der neuen Dauerserie sollte durch die Ausgabe einer neuen Serie, amtlich Interims- oder Übergangsserie genannt, geschlossen werden. Man einigte sich auf eine einfache Ausgabe mit Zahlen auf gemustertem Grund und der Unterschrift ´Deutsche Post´ mit insgesamt 19 Werten, die Ziffernserie. Alle Werte wurden bereits im Herbst 1945 gedruckt, wie die Hausauftragsnummern belegen.

 

In der Presse erschienen die ersten Mitteilungen zur geplanten und kurz bevorstehenden Ausgabe Anfang Januar 1946. Die Werte wurden in den Farben des Weltpostvereins gedruckt. Der Ankündigungskarton zeigt die „FARBEN FÜR DIE NEUEN POSTFREIMARKEN“. Die Vielzahl der Werte lässt den Schluss zu, dass vom Beginn an das Ziel ein uneingeschränkter Postverkehr war, der aber noch längere Zeit auf sich warten ließ. Die neue einheitliche Übergangsserie, schnell „Einheitsausgabe“ genannt, war für alle Sektoren und Zonen gedacht und sollte überall gültig sein.

 

Die Franzosen schlossen sich dieser Übereinkunft nicht an, denn 1945 war der Begriff ´einheitliche´ Marken für sie nicht akzeptabel. Die neue Serie wurde in ihrer Zone nicht gültig. Der Ausgabetermin verzögerte sich und gestaltete sich nicht wie gewohnt an einem einheitlichen Tag für alle Gebiete.

 

Zuerst sollten und mussten die noch zahlreich vorhandenen Marken aufgebraucht werden. Erst wenn dies geschehen war und in einzelnen Gebieten Markenengpässe eingetreten waren, forderten die einzelnen Oberpostdirektionen direkt bei der Staatsdruckerei in Berlin die benötigten Werte für ihr Gebiet an. Die Auslieferung geschah also nur nach Bedarf auf Anforderung der einzelnen OPDen. Die einzelnen Wertzeichenverteilämter lieferten die Marken auch nicht sogleich an alle Postanstalten ihres Bereiches, sondern warteten auf eine Bedarfsanforderung der einzelnen Ämter.


 

 

Die ersten Anforderungen nach zwei Marken für die am dringendsten benötigten Wertstufen, 6 Rpf für eine Fernkarte und 12 Rpf für einen Fernbrief bis 20 g, wurden durchgeführt von der OPD Frankfurt/Main, Postleitgebiet (PLG) ´16´ und von der OPD Schwerin, PLG ´3´. So kam es am 2. Februar 1946 zur ersten Verwendung einer Marke der neuen Ziffernserie. Dieses Datum kann nicht als Ersttag der Serie verstanden werden, sondern ist der erste Verwendungstag der Marke in einer Stadt, was keinerlei weitere Rückschlüsse auf erste Verwendungstage in anderen Städten der gleichen OPD oder gar in anderen OPDn zulässt. So gab es nach bisherigem Forschungsstand die ersten Verwendungen des 6 Rpf Wertes am 2. Februar 1946 in Frankfurt/Main und in Schwerin, des 12 Rpf Wertes am gleichen Tag in Frankfurt/Main und in Heppenheim.

 

In Berlin fand am 9. – 11. Februar 1946 die ´Delegierten-Beratung der Freien Deutschen Gewerkschaften für das sowjetisch besetzte deutsche Gebiet´ statt. Dies war für die Sowjets der Anlass an diesen Tagen die neue ´einheitliche´ Dauerserie nur am Postamt ´Berlin NW 7´ herauszugeben. Da in der BZ noch genügend AM-Post-Marken vorhanden waren, galt die klare Anordnung der britischen Militärregierung, dass in ihrer Zone keine Werte der neuen Dauerserie, ´Einheitsserie´ genannt, angefordert werden durften, bis möglichst alle AM-Post-Werte verbraucht waren.

 

Am 1. April 1946 kamen nur in Braunschweig erste Werte an den Schalter. Mitgebrachte oder zugesandte Marken durften verwendet werden, denn die Marken waren in der BZ vom ersten Tag an gültig. Am 1. März 1946 wurden die Postgebühren verdoppelt, die Auslandsgebühren am 1. April 1946 gar verdreifacht. Dadurch wurden einige der frühen Werte zu Füllwerten (z.B. die 42 Rpf), andere wurden dringend neu (5 Werte) bzw. in neuen Farben (3 Werte) nach den UPU-Übereinkünften benötigt. So kamen in April bis Mai 1946 8 Ergänzungswerte hinzu, so dass die gesamte Ziffernserie 27 Werte umfasst. Der letzte verausgabte Wert ist der Höchstwert zu 1 RM. Auch für diese 8 Ergänzungswerte gibt es keinen allgemeinen Ersttag.

 


 

Um weitere Erkenntnisse des postalischen Frühgebrauchs der Ziffernwerte zu erhalten, sind alle interessierten Briefesammler aufgerufen, uns ihre Beobachtungen mitzuteilen. Dafür schon jetzt – Vielen Dank!

 

Neue Ergebnisse wie auch Warnungen vor Fälschungen werden laufend in den Rundbriefen der ArGe „Alliierter Kontrollrat 1946/48 e.V.“ veröffentlicht.

 

Norbert Barth

 

Rolf Herbrandt

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